18 Okt 2019

Simon Hengel

Freiberuflicher Autor

Sozialversicherung 2020: Rechengrößen, Beitragssätze und Zusatzbeitrag

Auch für 2020 gelten bei der Berechnung der Sozialversicherungsgrößen neue Rechengrößen. Außerdem steigt vermutlich der durchschnittliche Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung. Wir stellen die neuen Werte vor und geben Ihnen einen Tipp, wie Sie die Belastung senken können.

Für die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer vom Bruttogehalt oder -lohn abführen müssen, gibt es feste Rechengrößen. Sie werden aus der statistischen Einkommensentwicklung abgeleitet. Die Bundesregierung legt sie für jedes Jahr per Verordnung fest.

Die Sozialversicherungs-Rechengrößen für 2020 wurden vor Kurzem vorgestellt. Die entsprechende Verordnung muss zwar noch den Bundesrat passieren, aber Änderungen werden nicht erwartet.

Die wichtigsten Rechengrößen und ihre Bedeutung

Wie jedes Jahr steigen Beitragsbemessungsgrenzen und andere Werte gegenüber dem Vorjahr, was natürlich die Personalkosten erhöht. Dazu kommt ein weiterer Kostenfaktor: Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen soll deutlich wachsen.

Pflichtversicherungsgrenze

Um sich privat krankenversichern zu können, muss Ihr Arbeitnehmer nächstes Jahr mindestens 5.212,50 Euro pro Monat beziehungsweise 62.550 Euro jährlich verdienen. Für 2019 liegt die monatliche Pflichtversicherungsgrenze noch bei 5.062,50 Euro monatlich.

Beitragsbemessungsgrenze

Für alle Versicherungszweige gilt eine sogenannte Beitragsbemessungsgrenze. Liegt der Lohn oder das Gehalt des Arbeitnehmers höher, bleibt der darüber liegende Einkommensanteil bei der Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge außen vor.

Beitragsbemessungsgrenze 2020 für…

West

Ost

gesetzliche Rentenversicherung

6.900 Euro monatlich /
82.800 Euro jährlich

6.450 Euro monatlich /
77.400 Euro jährlich

gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung

4.687,50 Euro monatlich /
56.250 Euro jährlich

Arbeitslosenversicherung

6.900 Euro monatlich /
82.800 Euro jährlich

6.450 Euro monatlich /
77.400 Euro jährlich


Die Beitragssätze zur Sozialversicherung

Neben den Rechengrößen entscheiden natürlich die Beitragssätze selbst darüber, wie hoch die Sozialversicherungsbeiträge ausfallen.

Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, zur gesetzlichen Krankenversicherung, zur gesetzlichen Pflegeversicherung und zur gesetzlichen Rentenversicherung werden als Prozentsatz vom Bruttoeinkommen festgelegt. Die Beitragssätze für 2020 stehen noch nicht fest. Voraussichtlich gelten jedoch diese Werte:

Versicherungszweig:

Gesamtbeitrag 

Arbeitgeberanteil

Arbeitnehmeranteil

Gesetzliche Rentenversicherung

18,6 %

9,3 %

9,3 %

Gesetzliche Krankenversicherung (allgemeiner Beitragssatz, ohne Zusatzbeitrag)

14,6 %

7,3 %

7,3 %

Pflegeversicherung

3,05 %

1,525 % (außer Sachsen)

1,525 % (außer Sachsen)

Zusatzbeitrag zur Pflegeversicherung für Kinderlose über 23 Jahre

0,25 %

0

0,25 %

Arbeitslosenversicherung

2,5 %

1,25 %

1,25 %

Bis auf wenige Ausnahmen (Pflegeversicherung in Sachsen, Zusatzbeitrag zur Pflegeversicherung sowie die hier nicht dargestellte knappschaftliche Rentenversicherung) müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je die Hälfte des Gesamtbeitrags übernehmen.


Kassenindividueller Zusatzbeitrag steigt vermutlich an

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung gilt eine Ausnahme: Der Gesamtbeitrag hängt nicht nur vom staatlich verordneten Beitragssatz ab (14,6 % des Bruttoentgelts). Dazu kommt ein Zusatzbeitrag, den jede Krankenkasse gemäß ihrer finanziellen Situation selbst festlegen kann.

Aktuell reicht die Bandbreite von 0,2 % bis zu 2,5 %. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag liegt 2019 bei 0,9 %.

Doch das wird sich ändern: Voraussichtlich klettert 2020 der durchschnittliche Zusatzbeitrag auf 1,1 %, vielleicht auch auf 1,2 %. Da Sie als Arbeitgeber seit diesem Jahr die Hälfte des Zusatzbeitrags bezahlen müssen, hängt Ihre Kostenbelastung daher auch von der Krankenkassenwahl Ihres Mitarbeiters ab.

Rechenbeispiel

Ihr Arbeitnehmer bekommt 3.000 Euro Bruttolohn im Monat. Steigt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag von 0,9 % auf 1,2 %, beträgt die Mehrbelastung neun Euro im Monat beziehungsweise 108 Euro im Jahr. Die gesamten Sozialversicherungsbeiträge, samt Ihrem Anteil am Zusatzbeitrag, liegen für Sie als Arbeitgeber bei 20,575 % des Bruttoentgelts. In unserem Beispiel sind das 617.25 Euro im Monat. Es geht also durchaus um spürbare Summen. Und die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung und die Umlagen U1 (Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall), U2 (Entgeltfortzahlung im Mutterschutz) und U3 (Insolvenzgeldumlage) kommen noch dazu.


Steuerfreie Alternativen zur Lohnerhöhung

Eine Lohn- oder Gehaltsaufstockung durch eine steuerfreie Alternative zu ersetzen, kann für beide Seiten sinnvoll sein. In der Regel fallen bei steuerfreien Leistungen des Arbeitgebers auch keine Sozialversicherungsbeiträge an. Die Belastung des Arbeitnehmers durch Beiträge und Lohnsteuer wird gesenkt und die des Arbeitgebers ebenfalls.

In Frage kommen beispielsweise ein Zuschuss zum Kindergarten, ein vom Betrieb überlassenes E-Fahrrad, ein Jobticket oder ein Einkaufsgutschein im Wert bis 44 Euro monatlich. Natürlich muss man dabei die Rechtslage prüfen. Oft gilt die Steuerbefreiung nur, wenn die Leistung „freiwillig“ erbracht wird, ohne arbeitsvertraglichen Anspruch. Aber die Mühe lohnt durchaus, wenn dafür mehr beim Arbeitnehmer hängen bleibt statt beim Finanzamt oder den Sozialversicherungsträgern.

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