21 Apr 2020

Simon Hengel

Freiberuflicher Autor

Minijobber und Corona-Krise: Kurzarbeit nein, mehr arbeiten ja

Die Corona-Krise wirft diverse Fragen rund um Minijobs auf. Außerdem gibt es aktuelle, befristete Neuregelungen, die Minijob-Arbeitgeber kennen sollten. Diese Übersicht fasst die wichtigsten Informationen zu Minijobs in der Corona-Krise zusammen.

Ein Minijob wird nicht automatisch sozialversicherungspflichtig, wenn der Minijobber mehr als 450 Euro im Monat bzw. 5.400 Euro im Jahr verdient.

Überschreitungen der Verdienstgrenze sind dann erlaubt, wenn sie erstens unvorhergesehen und zweitens gelegentlich erfolgen. Wenn die Corona-Krise hinter dem Mehrarbeitsbedarf steckt, gilt das als unvorhergesehen. „Gelegentlich“ bedeutet, dass es nur in einer begrenzten Anzahl von Monaten zu Überschreitungen kommt.

Grundsätzlich darf es in drei Monaten bzw. an 70 Arbeitstagen innerhalb einer Zwölfmonatsfrist zu Überschreitungen kommen.

Für die Zeit von 01. März bis 31. Oktober 2020 gilt eine befristete Ausnahmeregelung: in diesem Zeitraum gilt ein Überschreiten an maximal fünf Monaten oder an 115 Arbeitstagen, bezogen auf einen Zwölfmonatszeitraum, als gelegentlich.

Beispiel: Der Minijobber muss im April, Mai, Juli August und Oktober 2020 einspringen, weil ein Kollege zur Risikogruppe gehört und deshalb zu Hause bleibt. Wenn er deshalb mehr arbeitet und in diesen Monaten jeweils 1.800 Euro verdient, bleibt er trotzdem Minijobber. Voraussetzung ist, dass er in allen anderen Monaten des Zeitraums Oktober 2019 bis Oktober 2020 die 450-Euro-Grenze einhält.

Fest vereinbaren dürfen Sie als Arbeitgeber diese zusätzlichen Arbeitsstunden jedoch nicht.

Für Minijobber gibt es kein Kurzarbeitergeld

Wenn der Betrieb in Kurzarbeit geht, gibt es für Minijobber kein Kurzarbeitergeld .

Genauer: Die Arbeitsagentur wird das Kurzarbeitergeld nicht erstatten, genauso wenig wie für Azubis, beschäftigte Rentner sowie für Arbeitnehmer, die Krankengeld beziehen.

Kurzarbeit, parallel ein Minijob? Anrechnung droht

Wenn Arbeitnehmer nach Beginn der Kurzarbeit einen Minijob oder anderen Nebenjob aufnehmen, wird der Verdienst auf ihr Arbeitslosengeld angerechnet. Keine Anrechnung erfolgt, wenn sie den Nebenjob schon vor der Kurzarbeiterphase hatten.

Zu dieser Regel gilt aufgrund der Corona-Epidemie eine Ausnahme: in einem systemrelevanten Bereich erfolgt auch dann keine Anrechnung, wenn der Minijob erst als Kurzarbeit begonnen wurde. Allerdings nur dann, wenn Nebenjob, Kurzlohn und Kurzarbeitergeld in Summe nicht mehr ergeben als der reguläre Bruttolohn ohne Kurzarbeit.

Was genau als „systemrelevant“ gilt, hängt vom Bundesland ab. Dazu gehören jedenfalls Bereiche wie Gesundheit, Energie und andere Versorger, Entsorgungsdienste sowie Lebensmittelproduktion und -handel.

Minijobber ohne Arbeitsstunden? Trotzdem melden

Wenn für den Minijobber keine Arbeit da ist und deshalb keine Arbeitsstunden und kein Lohn anfallen, muss ein sogenannter „Null-Beitragsnachweis“ an die Knappschaft als Sozialversicherungsträger übermittelt werden.

Übrigens: Arbeitsverträge mit einer „auf Abruf“-Regelung, die ein solches Aussetzen ermöglichen, werden gerade bei Minijobs leicht zur Kostenfalle. Mehr dazu steht im Beitrag Mindestlohnfallen bei Minijobs.

Kurzfristige Beschäftigungen

Die maximale Dauer für eine kurzfristige Beschäftigung ohne Sozialversicherungspflicht wurde vorübergehend verlängert. Die Ausnahmeregelung ist ebenfalls auf die Monate von März bis Oktober 2020 befristet.

Während dieses Zeitraums kann ein solcher „kurzfristiger Minijob“ fünf statt drei Monate umfassen, bzw. 115 statt 70 Arbeitstage, ohne dass Sozialversicherungspflicht droht.

Nach wie vor gilt: bei kurzfristigen Minijobs kann das Einkommen unbegrenzt hoch sein. Liegt es über 450 Euro, darf der Job nicht „berufsmäßig“ ausgeübt werden. Was sich dahinter verbirgt, erklärt die Minijob-Zentrale.

Konkrete Fragen

Ein wichtiger Tipp zum Schluss: Arbeitgeberfragen rund um 450-Euro-Jobs und kurzfristige Beschäftigung beantwortet die Minijob-Zentrale der Knappschaft erfahrungsgemäß freundlich und kompetent: entweder per Web-Formular oder unter der Nummer 0355 2902 70799.

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