11 Nov 2019

Simon Hengel

Freiberuflicher Autor

Mindestausbildungsvergütung: 2020 soll der „Mindestlohn“ für Auszubildende kommen

Ausbildungsbetriebe müssen sich wohl darauf einstellen, dass auch für Auszubildende gewissermaßen ein „Mindestlohn“ eingeführt wird. Der Bundestag hat die Mindestausbildungsvergütung für Azubis bereits beschlossen. Was sich genau ändert, lesen Sie hier.

Auszubildende, die 2020 ihre Ausbildung beginnen, sollen mindestens 515 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr bekommen. Dazu soll das Berufsbildungsgesetz geändert werden. Die Änderung wurde vom Bundestag bereits beschlossen. Wenn der Bundesrat nicht noch Bedenken anmeldet, wird sie voraussichtlich zum 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Diese Vorgaben für die Mindestausbildungsvergütung sind geplant

Vorgesehen ist, dass die Mindestausbildungsvergütung für das erste Jahr der Ausbildung zunächst als Summe festgelegt wird. Die Werte steigen dann mit jedem Kalenderjahr an. Innerhalb von vier Jahren ist für Azubis im ersten Jahr eine Erhöhung von 515 Euro auf 620 Euro geplant.

Ab 2024 soll die weitere Entwicklung der Mindestausbildungsvergütung dann an die durchschnittliche Entwicklung der tatsächlichen Vergütungen gekoppelt sein. Mit anderen Worten: Die durchschnittlich gezahlte Ausbildungsvergütung aus den beiden Vorjahren wird zum Mindestbetrag, den alle Ausbildungsbetriebe im Folgejahr bezahlen müssen.

Die Mindestvergütung soll außerdem mit jedem Ausbildungsjahr ansteigen. Im zweiten Jahr sind 18 Prozent zusätzlich zur Einstiegsvergütung vorgesehen, im dritten Jahr 35 Prozent. Wer ein viertes Ausbildungsjahr absolvieren muss, erhält 40 Prozent mehr als im ersten.

 

Die Mindestausbildungsvergütung im Überblick

Fasst man die Bestimmungen aus dem Gesetzentwurf zusammen, ergeben sich folgende Werte:

Ausbildungs-beginn

Mindestvergütung im ersten Ausbildungsjahr

im zweiten Lehrjahr: plus 18 %

im dritten Lehrjahr: plus 35 %

im vierten Lehrjahr: plus 40 %

2020

515,00 €

607,70 €

695,25 €

72,001 €

2021

550,00 €

649,00 €

742,50 €

770,00 €

2022

585,00 €

690,30 €

789,75 €

819,00 €

2023

620,00 €

731,60 €

837,00 €

868,00 €

 

Ausnahmen von der Mindestvergütung

Für bestimmte Auszubildende gelten die im Gesetzentwurf vorgesehenen Mindestvergütungen nicht:

  • Die Mindestvergütungen gelten nur für Ausbildungsverhältnisse, die nach Inkrafttreten der Änderung beginnen (voraussichtlich zum Jahreswechsel 2019/2020).
  • Wenn ein Tarifvertrag eine niedrigere Ausbildungsvergütung vorsieht, gilt dieser Wert.
  • Bei einer Teilzeitausbildung kann die Vergütung anteilig gekürzt werden.

Eine weitere im Entwurf enthaltene Regelung sieht vor, dass tarifvertraglich festgelegte Ausbildungsvergütungen „in der Regel“ um höchstens 20 Prozent unterschritten werden dürfen. Das gilt selbst dann, wenn die gesetzliche Mindestvergütung eigentlich erreicht wäre.

 

Fazit: Ausbildung wird für Unternehmen teurer

Den geplanten „Azubi-Mindestlohn“ gibt es nicht umsonst. Auf Betriebe, die ausbilden, kommen durch die Einführung Kostensteigerungen in Höhe von 57 Millionen Euro zu. Diese Schätzung stammt nicht von Arbeitgeberseite sondern aus dem Bundesbildungsministerium.

Sicher, viele Ausbildungsbetriebe zahlen ihren Azubis bereits jetzt mehr als zumindest die für den Einstieg vorgesehenen Werte. Es gibt aber auch genug – vorwiegend kleinere – Unternehmen, die nun genau rechnen müssen, ob sie unter diesen Umständen noch ausbilden können.

 

Zum Weiterlesen

Themen

Mitarbeiter Arbeitgeberleistungen

Verwandte Artikel